ÜBERRESTE DER VITRINE DER VERBOTENEN DINGE

Installation, 2026

Überreste der Vitrine der verbotenen Dinge zeigt Gegenstände, deren Tragen Schüler*innen an Berliner Schulen seit Oktober 2023 untersagt oder beanstandet wurde. Ausgangspunkt war ein Schreiben der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie vom 13. Oktober 2023 mit dem Titel „Umgang mit Störungen des Schulfriedens im Zusammenhang mit dem Terrorangriff auf Israel“. Darin wurden bestimmte Handlungen, Symbole und Meinungsäußerungen untersagt, sofern sie als Befürwortung oder Billigung der Angriffe gegen Israel oder als Unterstützung von Hamas oder Hisbollah verstanden werden könnten. Zugleich verwies das Schreiben auf Erziehungs-und Ordnungsmaßnahmen nach dem Berliner Schulgesetz sowie auf die Meldung strafrechtlich relevanter Verdachtsfälle an die Polizei. Das Verbot richtete sich in erster Linie gegen Symbole und Ausdrucksformen mit palästinensischem Bezug. Früh wurde kritisiert, dass solche Verbote besonders palästinensische, arabische und muslimische Schüler*innen treffen und Ausdrucksformen palästinensischer Identität und Solidarität unter Verdacht stellen. Für die betroffenen Schüler*innen bedeutet das, dass alltägliche Zeichen von Zugehörigkeit, Trauer, Solidarität oder familiärer Geschichte dauerhaft auf ihre mögliche strafrechtliche Relevanz hin gelesen werden können. Der Klassenraum wird so zu einem Ort permanenter Selbstüberwachung. Damit gerät eine Grundannahme schulischer Bildung unter Druck: dass Identität dort befragt, geübt und ausgehandelt werden darf, ohne dass jeder Akt der Selbstverortung als Verdachtsmoment registriert wird.

Stellungnahme: Ein Akt der wiederholten Auslöschung
Pary El-Qalqili & Iz Öztat

Berichte der Schüler*innen: Überreste der Vitrine der verbotenen Dinge

Student accounts: Remains of the Vitrine of Forbidden Things